Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Europa-Universität Viadrina

IntraG

Das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Europa-Universität Viadrina (IntraG) ist ein im Jahre 2007 gegründetes Institut der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Institutsleiter ist derzeit (Stand: Juni 2012) der Psychologe Harald Walach, der Inhaber einer privat finanzierten Stiftungsprofessur ist. Die Stiftungsprofessur wird durch die Firma Biologische Heilmittel Heel GmbH finanziert, einer der finanzstärksten Vertreter der Homöopathie-Pharmaindustrie.

Das IntraG bietet einen Masterstudiengang „Kulturwissenschaften – Komplementäre Medizin“ (KWKM) an, der 2008 genehmigt wurde und 2009 seinen Betrieb aufnahm. Bis 2012 hieß der Studiengang „Komplementäre Medizin – Kulturwissenschaften – Heilkunde“ (KMKH). Abgeschlossen wird der Studiengang mit dem akademischen Grad eines Master of Arts (M.A.). 60 Studienplätze sollen jährlich vergeben werden. Die Gebühren dafür betragen 10.000 € je Studienplatz bzw. 2500 € pro Semester.[1]

Inhalt des Masterstudiengangs Komplementärmedizin

Der Masterstudiengang wird vom IntraG getragen; verantwortlich ist dessen Leiter Harald Walach, der an der Europa-Universität Viadrina Inhaber einer Stiftungsprofessur ist. Die Professur wird durch die Firma Biologische Heilmittel Heel GmbH finanziert, einem der Big Player der Homöopathie-Pharmaindustrie. Die Aktivitäten werden aber z.B. auch von dem Soziologen und Sprachwissenschaftler Hartmut Schröder unterstützt, der regulärer Professor an der Viadrina ist. Inhalt des berufsbegleitenden Programms sind zahlreiche pseudowissenschaftliche Disziplinen, vor allem „Biologische Medizin“ und medizinische Fachkunde sowie „Sprechende Medizin“ als Pflichtmodule und gesundheitswissenschaftliche Forschung (Methoden der evidenzbasierten Medizin und ihre Kritik sowie weitere Methoden komplementärmedizinischer Forschung), Medizinethnologie (Konzepte von Krankheit und Gesundheit, Erfahrungen anderer Kulturen), Ethik – Recht – Wirtschaft (u.a. ethische und rechtliche Aspekte der Komplementärmedizin), Homöopathie, Naturheilverfahren (u.a. Vermittlung von salutogenetischen Prinzipien) sowie biologische Schmerzmedizin (u.a. Überwindung von Regulationsblockaden) als Wahlpflichtmodule.[3]

Seit 2010 wird als weiteres Wahlpflichtmodul Traditionelle Abendländische Medizin anbeboten. Für 2010 war auch ein Modul Energy Medicine vorgesehen, das von der DGEIM gestaltet werden sollte, siehe Abschnitt Zusammenarbeit mit der DGEIM. 2011 waren Ayurvedische Medizin, Anthroposophische Medizin und NLP vorgesehen. 2012 kamen als Wahlpflichtmodule „Kultur des Bewusstseins“, Komplementäre Augenheilkunde und Klinische Mitochondrien- und Umweltmedizin hinzu. In der Planung war 2012 ein Wahlpflichtbereich Anthroposophische Medizin.[4]

Lehrinhalt des Curriculums ist auch die Neue Homöopathie nach Körbler.

Themen eines neuntägigen Kurses im Wintersemester 2010/2011 waren ausschließlich pseudomedizinische Verfahren wie: Klangtherapie, Traditionelle Abendländische Medizin, Energiemedizinische Diagnostik und Therapie, diverse energiemedizinische Testverfahren, bioinformative Verfahren, Bewusstseinsmedizin, Orgon-Therapie und Radionik, Systematik der energiemedizinischen Diagnostik und Therapie – Spezialtechniken der muskuloskelettären Therapie, Elektroakupunktur nach Voll, Meridian– und Segmentardiagnostik.

Den Absolventen des Masterstudiengangs wird die Möglichkeit der Promotion zum Dr. phil. geboten. Allerdings soll die Erstellung einer Dissertation die Promotionswilligen nicht abschrecken: „Daher muss an dieser Stelle betont werden, dass die Teilnehmer des philosophischen/philologischen Zweitstudiums häufig nebenher arbeiten und man an ihre Abschlussarbeiten nicht die Maßstäbe anlegen darf, die gemeinhin an geisteswissenschaftliche Doktoranden gestellt werden.“[5]

Ein Projekt, das vom 1. Mai 2009 bis zum 1. Dezember 2012 veranschlagt wurde, ist „Sexualität und Volksmedizin“. Als eine Literaturquelle dazu wird eine Publikation über den Wunderheiler und Scharlatan Bruno Gröning (Heilstrom, Wunderheilung, Hysterie? Das Phänomen Bruno Gröning in Herford 1949 und Deutschland) genannt.[6]

Zielgruppe

Zielgruppen des Masterstudiengangs sind Ärzte, Apotheker und Psychotherapeuten. Ärzte mit Fortbildungsverpflichtung können zusätzlich zum akademischen Grad bis zu 250 Fortbildungspunkte erwerben. Da der Lehrbetrieb großteils als Fernstudium mit nur maximal 20 Tagen Präsenzzeit an Wochenenden stattfindet, erlaubt dies ein berufsbegleitendes Studium neben dem Praxisbetrieb. Für Nicht-Ärzte kann der Studiengang als Vorbereitung auf die Heilpraktikerprüfung genutzt werden.[7]

Dozenten und Kooperationspartner

Eintrag für Dietmar Cimbal auf Seiten der Firma University of Global Scaling

Nennung von Hartmut Müller als Vortragenden bei der Universität Viadrina in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 31.8.2010[8] Harald Walach bestreitet in Pressemitteilungen hingegen eine derartige Vortragstätigkeit von Hartmut Müller.

Ein wesentlicher Kooperationspartner des IntraG ist der Lobbyverein Internationale Gesellschaft für Biologische Medizin e.V. (IGBM) aus Baden-Baden, der der Homotoxikologie und der Firma Heel nahesteht und einen großen Teil der Lehrinhalte des Masterstudienganges verantwortet.

Vom Wintersemester 2010 an zählten unter der Leitung von Harald Walach zahlreiche in der Esoterikszene bekannte Dozenten zu den Lehrbeauftragten für den Masterstudiengang an der Viadrina. Fester Miterabeiter war von 2010 bis 2011 Marco Bischof, Experte für „freie Energie“ und Biophotonen (ein Konzept von Fritz-Albert Popp), der seine private Bibliothek in den Räumlichkeiten des Institutes für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften untergebracht hatte.[9]

Gastprofessuren und Lehrbeauftragte

Als Dozent des IntraG wird der Internist Bodo Kuklinski genannt. Nach Kuklinski ist eine „Kuklinski-Therapie“ benannt, die auf Hypothesen fußt, nach denen eine „instabile Halswirbelsäule“, „HWS-Traumata“ oder „nitrosativer Stress“ die Ursache zahlreicher chronischer Erkrankungen seien. Kuklinski steht der orthomolekularen Medizin nahe und kann als Anhänger von Konzepten einer so genannten Mitochondrienmedizin gesehen werden. Er ist Erfinder einer Krankheitslehre namens Kryptopyrrolurie, die unter Nichtbeachtung wissenschaftsmedizinischer Erkenntnisse eine große Zahl von Krankheiten auf Einwirkungen auf den Genickbereich zurückführt. Sowohl seine Krankheitslehre als auch die dazu gehörige Therapie haben keine nennenswerte wissenschaftliche Rezeption erfahren.

Leiter des 2012 eingeführten Moduls Mitochondrienmedizin ist der Allgemeinmediziner Rainer Mutschler aus Speyer. Ein weiterer Dozent dieses Moduls ist der Amalgam- und Mobilfunkgegner Joachim Mutter.[10]

Ein Gastprofessor ist der Altenburger Tierarzt und Scheinprofessor Dietmar Cimbal[11], der auf den Seiten einer außerwissenschaftlichen Titelmühle namens University of Global Scaling genannt wird, einer privaten Münchner Einrichtung des Ehlers Verlags. Cimbal bezeichnet sich als astrologischer Ernährungs-, Gesundheits- und Lebensberater. Er ist für die Firma „Medprevent“ tätig, die mit pseudomedizinischen Gerätschaften wie dem Prognos handelt, das so genannte Meridiane nachweisen könne. Außer Prognos bewirbt Cimbal das Metascan-System. Auf diversen Webseiten wird Cimbal als „Professor“ vorgestellt, entweder mit dem Hinweis RUS (für Russland) oder „Internationale Interakademische Union“ (IIU). Bei der IIU handelt es sich um eine nicht akkreditierte, private Organisation, die wertlose Scheintitel und Orden verkauft.

Einen ebenfalls wertlosen Professorentitel der IIU hat der Orthopäde Kai Börnert aus Machern bei Grimma, der als Mitglied des „überregionalen Beirats“ des IntraG genannt wurde (Stand Februar 2012; im Juni 2012 wurde er nicht mehr genannt). Börnert wurde als „Prof. Dr. med. Kai Börnert, Facharzt für Orthopädie, Spezielle orthopädische Chirurgie, Sportmedizin, Naturheilverfahren, Homöopathie, Akupunktur, Grimma“ bezeichnet.[12] Auf Börnerts eigener Internetseite ist ein „Entwurf Masterstudiengang Energieinformationsmedizin“ zu finden, in dem Börnert ein Sammelsurium pseudomedizinischer und pseudowissenschaftlicher Verfahren auflistet, unter anderem die Germanische Neue Medizin des Antisemiten Ryke Geerd Hamer, Global Scaling, Elektrische Kreml-Pille usw.[13]

Eine Broschüre zum Studiengang[14] enthält eine Liste von 37 Lehrbeauftragten. Neben den oben genannten Namen sind zahlreiche Ärzte für Homöopathie und TCM, Anwendern von Bioresonanz-Geräten usw. zu finden. Mit dem Psychologen Uwe Reißig und dem Theologen Ralf Lemke sind gleich zwei Therapeuten bzw. „Ausbilder“ für Systemaufstellungen und die Festhaltetherapie nach Prekop aufgeführt; letzteres ist ein höchst umstrittenes psychotherapeutisches Verfahren zur Anwendung bei Kindern.

Gastprofessur für Ayurveda

Am 21. Oktober 2010 wurde durch den Botschafter der Republik Indien, den Kulturattaché und zwei Gäste, die von der indischen Regierung entsandt wurden, offiziell eine Gastprofessur für Ayurveda eingerichtet. Diese Professur wird von der indischen Regierung finanziert und gehört dem Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Kulturwissenschaftlichen Fakultät an. Der künftige Inhaber der Professur soll im Rahmen des postgradualen Master-Studiengangs „Komplementärmedizin, Kulturwissenschaften, Heilkunde“ Lehrmodule zur Einführung in Ayurveda entwickeln sowie Forschungen auf dem Gebiet der Ayurveda vorantreiben.[15][16] Uni-Rektor Gunter Pleuger:

Wir würden gerne zur führenden Hochschule auf dem Ayurveda-Gebiet und darüber hinaus werden.[17]

Kooperationspartner aus dem Bereich der Pseudomedizin

Als weitere Kooperationspartner werden genannt:[18]

Hauptpartner:

Weitere internationale Partner:

  • International Society for Complementary Medicine Research
  • University of Northampton, School of Social Sciences, Northampton, UK
  • National College of Natural Medicine (NCNM), Portland, Oregan, USA

Weitere inländische Partner:

  • Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Projektbereich Komplementärmedizin, Universitätsklinikum Charité, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. med. Claudia Witt, MBA (stellv. Direktorin)
  • Horst-Görtz-Stiftungsinstitut für Chinesische Lebenswissenschaften, Universitätsklinikum Charité, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Paul Unschuld (Direktor)
  • Fachbereich Chinesische Medizin an der Universität Witten-Herdecke, Dr. med. Stefan Kirchhoff (Leiter des Fachbereichs)
  • Deutsche Gesellschaft für Energetische und Informationsmedizin e.V., Priv. Doz. Dr. med. Hendrik Treugut (Präsident und Privatdozent für Radiologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm)
  • Grönemeyer Institut für Mikrotherapie im Technologiezentrum Ruhr der Stadt Bochum, Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer (Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie an der Privaten Universität Witten-Herdecke)
  • Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin, Frankfurt (Main), Dr. med. Bernd Hontschik (Vorstand)
  • Steinbeis Hochschule Berlin, STI Institute of Complementary Medicine, (INCOM)
  • Die Pharmafirma Heel, Hersteller homöopathischer Mittel, unterstützt eine Stiftungsprofessur an der Europa-Universität Viadrina mit jährlich 100.000 Euro.

Zusammenarbeit mit der DGEIM

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Energetische und Informationsmedizin e.V. DGEIM wurde 2010 ein Wahlpflichtmodul „Energy Medicine“ angeboten[19]. Zum Inhalt wurde auf den Masterstudiengang Komplementäre Gesundheitswissenschaften des Interuniversitären Kollegs für Gesundheit und Entwicklung in Graz (Österreich) verwiesen, an dem ebenfalls ein von der DGEIM gestaltetes Curriculum Energie- und Informationsmedizin existiert. Die DGEIM wirbt für Therapiekonzepte wie Geistheilung und andere obskure Ideen, in denen Begriffe wie Schwingungen, Resonanz, Energiewellen oder ähnliches vorkommen. Ihr zweiter Vorstand ist Konstantin Meyl. Der Ingenieur hält die Relativitätstheorie für widerlegt und tritt mitunter gemeinsam mit Vertretern des so genannten Lichtfastens auf. Dies sind Menschen, die behaupten, ganz auf Nahrung zu verzichten. Meyl steht vor allem für sein pseudowissenschaftliches Konzept der Skalarwellen – hypothetische elektromagnetische Longitudinalwellen, mit denen sich Krankheiten heilen ließen.[20] Die Liste der Autoren, die zum Modul „Energy Medicine“ beigetragen haben, enthält Namen wie z.B. Dieter Broers, Rüdiger Dahlke, Wadim Saidow (Säidow), Bernd Senf, Ulrich Warnke, Konstantin Meyl und Hendrik Treugut.[21] Später wurde die Liste der Autoren drastisch gekürzt und das Curriculum zu unverdächtigeren Begriffen hin geändert.

Im Oktober 2010 wurde von der Viadrina bekanntgegeben, dass alle Termine des bereits angekündigten neuen Wahlpflichtmoduls Energy Medicine „gecancelt“ seien. Vermutet wurde, dass dies eher eine Folge der öffentlichen Kritik an dem Projekt als Einsicht in einen Irrtum war.[22] Claus Fritzsche teilte mit, dass sich die DGEIM nicht für ihr seltsames Kursangebot an der Viadrina Frankfurt schäme, sondern dass die Informationen zum Wahlpflichtfachmodul „Energy Medicine“ deswegen korrigiert wurden, weil deren Darstellung auf der DGEIM-Homepage falsch war. Sie bezogen sich laut Fritzsche nicht auf das Studium in Frankfurt, sondern auf einen Studiengang am Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung in Graz.

Nach der Verurteilung von Hartmut Müller wegen Anlagebetrugs im Zusammenhang mit seiner pseudowissenschaftlichen Global Scaling-Theorie, die auch in der DGEIM befürwortet wird, gab Harald Walach 2012 der Presse gegenüber an, dass es keine Zusammenarbeit mehr mit der DGEIM gebe: „Schließlich will ich damit nicht meinen Ruf zerstören.“[23]

Qualitätssiegel SalutoCert

Das IntraG vergibt ein „SalutoCert Qualitätssiegel“ an bestimmte Heilpraktiker- und Arztpraxen, die Methoden aus der Alternativmedizin anwenden. Damit gekennzeichnete Einrichtungen können sich sodann, explizit bei Anwendung von Methoden außerhalb der evidenzbasierten Medizin, als „Akademische Lehrpraxis des IntraG“ aufgewertet sehen. Das Siegel wird von der SalutoCert GmbH vergeben.[24] Hauptgesellschafter dieser Firma ist der Rechtswissenschaftler Stephan Breidenbach[25], dem auch die Internetdomains salutocert.de und salutocert.org privat gehören. Breidenbach ist Dekan der in Berlin ansässigen Humboldt-Viadrina School of Governance (Präsidentin: Gesine Schwan). Als Kontaktadresse der SalutoCert GmbH wird ein „Büro Berlin“ an der Anschrift der Humboldt-Viadrina School of Governance angegeben.[26] SalutoCert-Geschäftsführerin Cosima Stromer ist hier unter gleicher Telefonnummer für die „Projektkoordination Leuchtturm Bildung“ der Versicherungsfirma ERGO-direkt tätig.

Um zertifiziert zu werden, müssen offenbar die Dienstleistungen einer Firma autogenex GmbH in Berlin in Anspruch genommen werden, deren Geschäftsführerin ebenfalls Cosima Stromer ist. In einem Newsletter der Viadrina heißt es zu SalutoCert:[27]

Die der Qualitätsauszeichnung SalutoCert zugrunde liegenden Kriterien für ein transparentes, lebendiges Praxismanagement beruhen auf neuesten Erkenntnissen der Qualitätssicherung und Wirksamkeitsforschung. Das Qualitätssiegel SalutoCert dient nicht zuletzt der aktiven Kommunikation der Qualitätsorientierung Ihrer Praxisleistung für Patienten. SalutoCert soll das Qualitätssiegel für den gesamten Bereich der komplementären Medizin und integralen Heilkunde werden, der Qualitätssicherung und der Transparenz für Patienten dienen sowie das Erkennungszeichen der „sprechenden“ Medizin sein.

Nach Angaben von NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen) stammen Anregungen von Ellis Huber, der eine Zertifizierung für Einrichtungen vorsah, „die auch oder ausschließlich mit außerschulmedizinischen Heilmethoden, also Methoden der Komplementärmedizin arbeiten“.[28]

Von SalutoCert zertifiziert sind beispielsweise Mitochondrienmediziner Rainer Mutschler aus Speyer, Burkhard Flechsig aus Ehrenfriedersdorf (Proleben Verbund Sachsen) oder Ute Liebsch aus Kamenz. Insgesamt sind jedoch anscheinend nur wenige Zertifikate ausgestellt worden. Das IntraG nennt ganze sechs Praxen[29], deren Betreiber im Oktober 2009 eine entsprechende Urkunde aus der Hand von Ellis Huber und IntraG-Vorstandsmitglied Hartmut Schröder erhalten haben. Ende 2010 warb das IntraG für eine Qualitätsmanagementberatung „insbesondere komplementärmedizinischer Praxen“ durch SalutoCert damit, dass für solche Beratungen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds noch bis einschließlich 2010 ein Zuschuss von bis zu 50 % gewährt werde.[30] Diese Förderung sollte über die autogenex GmbH beantragt werden. Aktivitäten der Firmen SalutoCert und autogenex sind seit dieser Zeit nicht bekannt worden.

Qualifizierung zum universitären Scenar-Therapeuten

Nach Angaben der Firma SCENARdeutschland GmbH aus Diedorf[31] sei es für Anwender des pseudomedizinischen Gerätes Scenar möglich, eine „universitär dokumentierte Qualifizierung“ zum „universitären Scenar-Therapeuten“ zu erlangen. Die Prüfung werde vom Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) der Europa Universität Viadrina in Kooperation mit einer „Gesellschaft für biophysikalische, regulative und SCENAR-Medizin e.V.“ (GBRS)[32] durchgeführt. Die Prüfer seien Lehrbeauftragte der Viadrina, wurde in der Mitteilung der Firma SCENARdeutschland mitgeteilt. Wenige Stunden nach Einfügen dieses Hinweises in diesem Artikel wurde der Text gelöscht.[33] Im Internet wird auch eine Liste „universitär geprüfter Scenar-Therapeuten“ präsentiert, auf der sich diverse Heilpraktiker, aber auch Ärzte wie der Orthopäde Peter Conrad finden. Auf einer Webseite der Europa-Universität Viadrina ist zum Thema zu lesen:

„SCENAR-Medizin ist Bestandteil im Pflichtmodul Biologische Medizin, im Wahlpflichtmodul Biologische Schmerzmedizin und im Wahlpflichtmodul Naturheilverfahren. Durch die Aufnahme des Prüfungskurses SCENAR Therapeut in das Praxismodul soll die akademische Qualitätssicherung gewährleistet werden.“[34]

Scenar ist ein batteriebetriebenes Gerät, das für diagnostische wie therapeutische Zwecke geeignet sein soll. Das Gerät misst den Hautwiderstand und gibt im so genannten Therapiemodus niederfrequente „bidirektionale“ elektrische Impulse ab, die zahlreiche völlig unterschiedliche Krankheiten günstig beeinflussen sollen. Spekulativ genannt werden etwa Krebs, Multiple Sklerose, Lungenentzündung, Migräne, Tinnitus, Allergien, „Neurodermitis“, Ekzeme, Verbrennungen, Bandscheibenvorfälle, Schlafstörungen und Depression. Es liegen keine Validierungen zu Scenar vor, das Gerät wird nur im alternativmedizinischen Bereich eingesetzt.

Bekannt gewordene Masterarbeiten

Masterarbeit über Kozyrev-Spiegel

Eine unwissenschaftlich formulierte Masterarbeit über den esoterischen Kozyrev-Spiegel (Autor: Peter Conrad aus Berlin, Gutachter Prof. Harald Walach) war 2012 Gegenstand mehrerer kritischer Zeitungsberichte und Beiträge in Blogs. So ist in der Arbeit zu erfahren, dass der Kozyrev-Spiegel Hellsehen, Kontakte zu Außerirdischen und Verstorbenen möglich machen soll. Die Masterarbeit ist auf der Webseite der Firma Fostac downloadbar.[35] Trotz des Ignorierens statistischer Standards, des Bezugs zur Betrugsmasche Global Scaling und ihrem Erfinder Hartmut Müller, und des unwissenschaftlichen Stils der Arbeit, der sich in Textpassagen wie „Diese reine Gefühlsebene läßt sich nicht mit Worten beschreiben (das soll auch Napoleon so ähnlich empfunden haben, erzählte man mir hinterher). Am ehesten umschreiben kann man es vielleicht mit: Aufladen, wie an einem Akku – schwerelos – zeitlos – wooohlfüüühlen“ zeigt, wurde die Arbeit von Seiten der Universität ausdrücklich gelobt. Mitarbeiter der Viadrina sahen indes den Skandal nicht in der Anerkennung dieser Masterarbeit und den Bezügen zum Global Scaling und zu Hartmut Müller, sondern allein in einer angeblichen „Rufmordkampagne“ gegen die Europa-Universität Viadrina. Der Masterarbeit-Gutachter Walach sah in Kritikern der desaströsen Arbeit gar „Inquisitoren“ (weitere Einzelheiten zur Conrad-Masterarbeit finden sich im Artikel zum Kozyrev-Spiegel). Sogar das renommierte Fachblatt Science befasste sich in ihren „news of the week“ mit der Arbeit, nachdem in mehreren deutschen Medien darüber berichtet worden war: A recent master’s degree thesis at European University Viadrina Frankfurt (Oder) in Germany is generating waves — though not the „time waves“ the student was looking for.[36]

Masterarbeit über die Anwendung eines Radionikgerätes bei Heuschnupfen

Quantec-Diode mit drei Rosenquarzen

Eine weitere Masterarbeit am IntraG ist in Heft 2/2012 der Zeitschrift CoMed beschrieben. Wie im Fall der Arbeit zum Kozyrev-Spiegel taucht der CoMed-Artikel auf den Webseiten eines Herstellers von pseudomedizinischen Radionikgeräten und Dienstleistungen aus dem Überschneidungsbereich zwischen Scharlatanerie, Esoterik, Alternativmedizin und alternativer Veterinärmedizin auf, nämlich denen der Firma Quantec.[37] Die Absolventin, die Ärztin Daniela Jobst, ging in ihrer Masterarbeit der Frage nach, ob homöopathische Heilmittel, die „Quantec-radionisch besendet“ und durch „individuelle Therapiefrequenzen“ potenziert wurden, bei Heuschnupfen hilfreich seien. Eingesetzt wurde ein 11.440 Euro teures Quantec-System. Jobst benutzte einen Fragebogen und beschreibt ihre Methodik als „einfache retrospektive Dokumentationsstudie“, die also unverblindet war. Die Aussagekraft der Fragebogenaktion wurde noch weiter dadurch eingeschränkt, dass offenbar die Mehrzahl der Befragten gleichzeitig oder zeitnah andere Therapien in Anspruch nahm.

Kern der Quantec-Geräte sind herkömmliche Halbleiterdioden, die ein zufälliges Rauschsignal abgeben. Nach Ansicht des Quantec-Erfinders Peter-Raphael von Buengner sollen derartige Zufallsgeneratoren überraschenderweise aufhören, zufällige Informationen abzugeben, wenn sie unter dem Einfluss jeglicher Art von Bewusstsein stehen. Sie sollen dann zu Generatoren einer intrinsischen Intelligenz morphogenetischer Felder mutieren und Computer und Software gezielt steuern können. Quantec beruft sich dabei auch auf die außerwissenschaftliche Skalarwellen-Hypothese von Konstantin Meyl sowie die Möglichkeit einer Informationsübertragung mit Hilfe von verschränkten Zwillingsphotonen (als so genanntes Radionisches Senden). Der Patient oder Kunde wird digital fotografiert und muss eine Hand über eine Diode halten, die von drei Kugeln aus Rosenquarz umgeben ist (hochtrabend als Geist-Materie-Interface bezeichnet). Dadurch soll das morphogenetische Feld gescannt werden. Aber auch CT-Bilder und schriftliche Krankheitsbefunde sollen nach Digitalisierung zur Quantec-Potenzierung geeignet sein.

Kritik durch die Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg

Die Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg kritisierte in ihrem am 8. Juni 2012 vorgelegten Abschlussbericht das Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina. Im Bericht heißt es:[38]

Gegen das Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften an der EUV bestehen seitens der Kommission durchgreifende strukturelle Bedenken. Das Institut besitzt nur in begrenztem Umfang Bezüge zu den fachlichen Schwerpunkten der Universität. Zugleich besteht in seiner Aufstellung und der Konzeption des über das Institut angebotenen weiterbildenden MA-Studienganges „Kulturwissenschaften – Komplementäre Medizin“ dabei aus Sicht der Kommission eine qualitative Problematik.
Eine in der Zielsetzung des Instituts formulierte geisteswissenschaftliche Reflexion an den Rändern der naturwissenschaftlichen Medizin ist zwar grundsätzlich wünschenswert. Auch in den medizinischen Fakultäten deutscher Universitäten finden sich (zweifellos nicht in dem wünschenswerten Ausmaß) Reflexionen medizinischen Handelns und Entscheidens. Es erscheint jedoch äußerst zweifelhaft, dass diese Reflexion im Rahmen des Instituts in geeigneter Weise erfolgen kann. Denn die Befassung mit komplementärer Medizin erfordert zwingend die enge Verbindung mit der naturwissenschaftlichen Seite, der Medizin, da sie nicht alleine als kulturwissenschaftliches Thema wissenschaftlich und praktisch bearbeitet werden kann. Komplementarität bedarf notwendigerweise des Zusammenwirkens von zwei sich gleichwertig einbringenden Komponenten. Die personellen Voraussetzungen hierfür sind allerdings an der EUV nicht gegeben.
Die personelle Ausstattung des Studienganges findet auf der Seite der naturwissenschaftlichen Medizin nahezu ausschließlich über Lehrbeauftragte, überwiegend aus niedergelassenen Praxen, statt. Ein wissenschaftlicher Hintergrund vom Range universitärer Medizin lässt sich dabei nicht in ausreichendem Maße feststellen. Die Zielgruppe der Ärzte, Apotheker und Psychotherapeuten, an die sich das Studienangebot „Komplementäre Medizin“ des Instituts besonders richtet, wird insgesamt von einem Lehrkörper betreut, dem überwiegend medizinische Kenntnisse fehlen. Dies gilt besonders für die Forschung, die der Lehre zugrunde liegen sollte.
Insgesamt ist die für eine der Themenstellung adäquate Forschung im universitären Rahmen erforderliche personelle wie sachliche Ausstattung des Instituts aus Sicht der Kommission nicht erkennbar. Auch erschließt sich der Wert des seitens des Instituts formulierten „Praktika-basierten Forschungszweckes“ nicht.
Mit Blick auf das Gesamtprofil der EUV erscheint schließlich auch die Feststellung angezeigt, dass keine Hinweise auf eine Internationalisierung des MA-Studienganges erkennbar sind. Insbesondere liegt auch keine sichtbare internationale Anbindung an die naturwissenschaftliche Medizin vor.
Die Hochschulstrukturkommission empfiehlt der EUV dementsprechend nachdrücklich den künftigen Verzicht auf das Angebot des MA-Studienganges „Kulturwissenschaften – Komplementäre Medizin“. Eine Fortführung des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften ist weder wie bisher als In-Institut noch als An-Institut zu befürworten. Vertretbar erscheint allenfalls, das Institut privatwirtschaftlich außerhalb der Hochschule weiter zu betreiben.”

Weblinks und Literatur

Links Europa-Universität Viadrina

Stellungnahmen des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften

Zeitungsartikel, Sendungen und Artikel in Fachzeitschriften

Blogs

Quellennachweise

  1. http://www.euv-frankfurt-o.de/de/forschung/institut/institut_intrag/studium/postgraduierter/Bewerbung/Studiengeb__hren/index.html
  2. kwkm.eu/files/struktur/kwkm-struktur-M.png, Abruf am 25. Juni 2012
  3. http://www.euv-frankfurt-o.de/de/forschung/institut/institut_intrag/studium/postgraduierter/Studium/Inhalte/index.html
  4. IntraG-Newsletter Juni 2012
  5. http://www.euv-frankfurt-o.de/de/forschung/institut/institut_intrag/Newsletter_Archiv/NewsletterDezember2009.pdf
  6. http://www.kuwi.euv-frankfurt-o.de/de/lehrstuhl/sw/sw2/forschung/forschungsbericht/Sexualitaet/index.html
  7. http://www.euv-frankfurt-o.de/de/forschung/institut/institut_intrag/studium/postgraduierter/index.html
  8. http://www.sueddeutsche.de/karriere/studiengang-komplementaere-medizin-immer-mehr-spinner-1.994002-2
  9. http://master-kmkh.eu/e-learning/mod/resource/view.php?id=678
  10. Klinische MitochondrienMedizin und Umweltmedizin – Lehrinhalte und Referenten. Das neue Wahlpflichtmodul im KMKH Studiengang an der Europa Universität Viadrina ab dem SS 2012
  11. http://www.euv-frankfurt-o.de/de/forschung/institut/institut_intrag/institut/Mitarbeiter/index.html
  12. http://www.europa-uni.de/de/forschung/institut/institut_intrag/institut/beiraete/index.html
  13. Kai Börnert: Entwurf Masterstudiengang Energieinformationsmedizin abgerufen am 12. Juni 2012
  14. http://www.master-kmkh.eu/files/master-kmkh_2012.pdf Abruf am 14. Februar 2012
  15. Indische Regierung finanziert Ayurveda-Gast-Professur an der Europa Universität Viadrina, Medieninformation vom 15.10.2010
  16. http://www.niederlausitz-aktuell.de/artikel_6_11748.php
  17. http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/315702/315703.php
  18. http://www.euv-frankfurt-o.de/de/forschung/institut/institut_intrag/studium/postgraduierter/Kooperationen/index.html
  19. http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:http://www.dgeim.de/page56/page59/page59.html
  20. http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/510284
  21. http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:www.dgeim.de/page56/page60/page60.html
  22. Florian Freistetter: Esoterik-Studium an der Viadrina: die DGEIM schämt sich. Astrodicticum Simplex, 1. September 2010
  23. Betrug mit „Gravitationswellen“: Erfolgreich, aber erfunden. FAZ.net, 21. April 2012
  24. SalutoCert GmbH, Ahornallee 20, D-15537 Erkner
  25. Das Stammkapital der SalutoCert GmbH beträgt 25.000 Euro, davon hält Stephan Breidenbach 99 %, der restliche Anteil von 250 Euro gehört der Geschäftsführerin Cosima Stromer.
  26. SalutoCert GmbH, Büro Berlin, Wilhelmstraße 67, D-10117 Berlin
  27. IntraG-Newsletter vom Dezember 2008
  28. Zitat: SalutoCert
    Dieses System ist als GmbH organisiert. Es existiert eine Version 1 aus dem Jahr 2009 eines Kriterienkatalogs der SalutoCert GmbH. In diesen waren Anregungen von Dr. Ellis Huber eingeflossen. Nach seinen Angaben soll SalutoCert insbesondere die Zertifizierung von Einrichtungen übernehmen, die auch oder ausschließlich mit außerschulmedizinischen Heilmethoden, also Methoden der Komplementärmedizin arbeiten. Die bisherige Aufnahme der Kriterien erschien unbefriedigend, obwohl ein Kriterium „Selbsthilfe fördern“ mit 5 Unterpunkten im Kriterienkatalog enthalten ist. Daher wurde über Dr. Ellis Huber ein differenzierter Vorschlag meinerseits zur Veränderung und Erweiterung dieses Kriterienkatalogs übermittelt. Die Einarbeitung wurde beschlossen, ist jedoch nicht vor 2010 zu erwarten.
    NAKOS
  29. http://www.europa-uni.de/de/forschung/institut/institut_intrag/masterstudiengang/Akademische_Lehrst__tten/index.html Abruf am 11. Juni 2012
  30. IntraG Newsletter, Dezember 2010
  31. SCENARdeutschland GmbH, Steppacherstr. 32a, 86420 Diedorf
  32. Gesellschaft für biophysikalische, regulative und SCENAR-medizin, Christian W. Engelbert, Hagelberger Str. 12, D-10965 Berlin
  33. http://www.scenar.ch/tl_files/scenar/doc/scenar_pruefung_universitaerer_scenar_therapeut.pdf
  34. http://master-kmkh.eu/e-learning/mod/resource/view.php?id=871 eingesehen am 14. Juni 2012
  35. http://www.fostac.ch/de/docs/kurse/kozyrev-prinzip-masterarbeit-dr.med.-peter-conrad-2011.pdf
  36. News of the week, Science 18. Mai 2012,Vol. 336 no. 6083 Seiten 787-788 DOI: 10.1126/science.336.6083.787-a
  37. http://www.quantec.eu/deutsch/pdf/Heuschnupfen.pdf
  38. Abschlussbericht der Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg vom 8. Juni 2012, Seiten 196ff
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